Was ist der Fluch der Torah?

Denn alle, die aus Werken des Gesetzes (Torah) sind, die sind unter dem Fluch; denn es steht geschrieben: »Verflucht ist jeder, der nicht bleibt in allem, was im Buch des Gesetzes geschrieben steht, um es zu tun«. (Galater 3.10)

Um sich diesem Thema zu nähern ist es nötig, sich auch anzuschauen, was die Bibel zum  Thema „Sünde“ sagt. Denn Sünde und Fluch gehören zusammen.

Sünde

Sünde ist das hebräische Wort  חטּאה  (chaṭṭâ’âh) und bedeutet „Straftat“ aber auch „Zielverfehlung – das Ziel verpassen“. Sünde bedeutet, gegen den Willen YHWH´s (Gottes) zu handeln. Es bedeutet, das Ziel, der ewigen Verbundenheit mit YHWH (Gott) zu verlieren.

Und der HERR ging vor seinem Angesicht vorüber und rief: Der HERR, der HERR, der starke Gott, der barmherzig und gnädig ist, langsam zum Zorn und von großer Gnade und Treue; der Tausenden Gnade bewahrt und Schuld, Übertretung und Sünde vergibt, aber keineswegs ungestraft lässt, sondern die Schuld der Väter heimsucht an den Kindern und Kindeskindern bis in das dritte und vierte Glied! (2.Mose 34.6-7)

Wie ich schon einmal an anderer Stelle erwähnt habe, war und ist es der Wunsch YHWH´s (Gottes), dass seine Braut, die 12 Stämme Israels, wieder gesammelt werden. Dieses kann aber nur geschehen, wenn für die Sünde gesühnt wird.

Sie wird aber einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk erretten von ihren Sünden. (Matthäus 1.21)

Sein Volk ist Israel und alle, die sich in diesen Ölbaum einpfropfen lassen.

Fluch

Fluch ist das hebräische Wort קללה  (qelâlâh) und bedeutet Verwünschung / Fluch.

Fluch ist auch das Gegenteil von Segen:
Ich nehme heute Himmel und Erde gegen euch zu Zeugen: Ich habe euch Leben und Tod, Segen und Fluch vorgelegt; so erwähle nun das Leben, damit du lebst, du und dein Same, indem du den HERRN, deinen Gott, liebst, seiner Stimme gehorchst und ihm anhängst; (5. Mose 30.19-20a)

Der Fluch der Torah

Fluch ist das Gegenteil von Segen. Um dem Volk Israel dieses vor Augen zu führen, sollten sie, bevor sie in das Land einziehen zur Hälfte auf dem Berg Ebal und auf dem Berg Garizim steigen:

Und wenn dich der HERR, dein Gott, in das Land bringt, in das du kommst, um es in Besitz zu nehmen, so sollst du den Segen auf dem Berg Garizim erteilen und den Fluch auf dem Berg Ebal. (5.Mose 11.29)

Später wird dieses Ereignis genauer beschrieben:

Und Mose gebot dem Volk an jenem Tag und sprach:
Diese sollen auf dem Berg Garizim stehen, um das Volk zu segnen, wenn ihr über den Jordan gegangen seid: Simeon, Levi, Juda, Issaschar, Joseph und Benjamin.
Und diese sollen auf dem Berg Ebal stehen, um zu verfluchen: Ruben, Gad, Asser, Sebulon, Dan und Naphtali.
Und die Leviten sollen das Wort ergreifen und zu allen Männern Israels mit lauter Stimme sagen:
Verflucht sei, wer ein geschnitztes oder gegossenes Bild macht, das dem HERRN ein Gräuel ist, ein Machwerk von Künstlerhand, und es heimlich aufstellt! Und das ganze Volk soll antworten und sagen: Amen!
Verflucht sei, wer seinen Vater und seine Mutter verachtet! Und das ganze Volk soll sagen: Amen!
Verflucht sei, wer die Grenze seines Nächsten verrückt! Und das ganze Volk soll sagen: Amen!
Verflucht sei, wer einen Blinden auf dem Weg irreführt! Und das ganze Volk soll sagen: Amen!
Verflucht sei, wer das Recht des Fremdlings, der Waise und der Witwe beugt! Und das ganze Volk soll sagen: Amen!
Verflucht sei, wer bei der Frau seines Vaters liegt; denn er hat seinen Vater entblößt! Und das ganze Volk soll sagen: Amen!
Verflucht sei, wer bei irgendeinem Vieh liegt! Und das ganze Volk soll sagen: Amen!
Verflucht sei, wer bei seiner Schwester liegt, die die Tochter seines Vaters oder seiner Mutter ist! Und das ganze Volk soll sagen: Amen!
Verflucht sei, wer bei seiner Schwiegermutter liegt! Und das ganze Volk soll sagen: Amen!
Verflucht sei, wer seinen Nächsten heimlich erschlägt! Und das ganze Volk soll sagen: Amen!
Verflucht sei, wer Bestechung annimmt, um jemand zu erschlagen und unschuldiges Blut [zu vergießen]! Und das ganze Volk soll sagen: Amen!
Verflucht sei, wer die Worte dieses Gesetzes nicht aufrechterhält, indem er sie tut! Und das ganze Volk soll sagen: Amen! (5.Mose 27.11-26)

Wichtig ist hier, dass das Volk jedem Punkt bestätigen musste. Der Fluch der Torah ist also die Folge dessen, wenn man sie übertritt.
Nun sagt Paulus zu den Galatern, die sich aus dem Heidentum heraus bekehrt haben:

Denn alle, die aus Werken des Gesetzes (Torah) sind, die sind unter dem Fluch; denn es steht geschrieben: »Verflucht ist jeder, der nicht bleibt in allem, was im Buch des Gesetzes geschrieben steht, um es zu tun«. (Galater 3.10)

Was war geschehen? Eine Gruppe von Juden kam nach Galatien, um die Neubekehrten am Fleisch zu beschneiden (Galater 2.3 / Galater 5.2). Dagegen ist Paulus aufgestanden. Denn er sagt, dass nur die Gnade, die aus der Beziehung zu YHWH (Gott) durch Yeshua (Jesus) entsteht, retten kann.
Schon beim Auszug aus Ägypten, wurde das Volk zuerst durch das Blut des Lammes gerettet, dann ging es einen Bund mit YHWH (Gott) ein und erst dann, in der liebevolen Beziehung zueinander, erklärte YHWH (Gott), wie er sich ein Leben mit seiner Braut (Israel) vorstellt. Schon in der Torah sagte er seinem Volk, worauf es ihm wirklich ankommt:

Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel und die Erde und alles, was in ihr ist, gehört dem HERRN, deinem Gott; dennoch hat der HERR allein deinen Vätern sein Herz zugewandt, dass er sie liebte; und er hat ihren Samen nach ihnen aus allen Völkern erwählt, nämlich euch, wie es heute der Fall ist. So beschneidet nun die Vorhaut eures Herzens und seid nicht mehr halsstarrig! (5.Mose 10.14-16)

Der Prophet Jeremia schreibt:

Beschneidet euch für den HERRN und beseitigt die Vorhaut eurer Herzen, ihr Männer von Juda und ihr Einwohner von Jerusalem, damit mein Zorn nicht ausbricht wie ein Feuer, das niemand löschen kann, wegen der Bosheit eurer Taten! (Jeremia 4.4)

Es ging also schon immer um eine Herzensbeziehung. Nur aus dieser liebevollen Beziehung zu unserem ewigen Vater können wir leben. Alles andere gleicht einer geschäftlichen Beziehung: Du gibst mir etwas und dann bekommst du den Gegenwert.
So kann keine Liebesbeziehung funktionieren und bestehen. In einer glücklichen Ehe sind beide füreinander da. Es ist ein Ehebund. In einem Bund verpflichten sich beide Partner, alles für den Anderen zu tun.
Yeshua (Jesus) hat alles für sein Volk getan. Er hat die Sünden gesühnt und die Voraussetzungen geschaffen, in seinen Bund einzutreten. Denn es ist das Blut des Bundes.
Wenn wir, als unbeschnittene am Fleisch uns zu Yeshua (Jesus) bekehren und unser Leben seiner Autorität unterstellen, müssen wir uns nicht am Fleisch beschneiden lassen.
Allerdings müssen wir unsere Vorhaut des Herzens beschneiden und aus dieser Liebesbeziehung in seinem Bund leben. Jede Sünde, die wir tun, gefährdet den Bund. Yeshua (Jesus) sagt in der Bergpredigt:

Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr! wird in das Reich der Himmel eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters im Himmel tut. Viele werden an jenem Tag zu mir sagen: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt und in deinem Namen Dämonen ausgetrieben und in deinem Namen viele Wundertaten vollbracht? Und dann werde ich ihnen bezeugen: Ich habe euch nie gekannt; weicht von mir, ihr Gesetzlosen! (Matthäus 7.21-23)

Es geht also darum, aus einer Liebe zu unserem Schöpfer und Vater durch unseren Messias Yeshua (Jesus) den Willen des Vaters zu tun, dem er seinen Volk am Berg Sinai, nachdem die Liebesbeziehung bestand, gegeben hat.
Umgekehrt ist es Werksgerechtigkeit und somit religiös und tot. Yeshua (Jesus) sagt:

Wer sein Leben findet, der wird es verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es finden! (Matthäus 10.39)

Wer heiratet, gibt sein altes Leben, seine liebgewordenen Gewohnheiten, auf, für ein neues Leben zu zweit.
Auch wir müssen unser sündiges, torahloses Leben aufgeben, um in der Liebesbeziehung  mit Yeshua (Jesus) zu bleiben. Denn Sünde ist die Übertretung der Torah.

Denn wer den Willen meines Vaters im Himmel tut, der ist mir Bruder und Schwester und Mutter! (Matthäus 12.50)

Resume

Der Fluch der Torah ist die Folge deren Übertretung.
Es ist YHWH (Gott) ein Herzensanliegen, mit seinem Volk in einer tiefen Liebesbeziehung zu leben. Er sehnt sich nach unserer Gemeinschaft. Da er unser Schöpfer ist, weiß er, wie Leben funktioniert. So gibt er uns, nachdem wir Ja gesagt haben, uns die Möglichkeit, zu lernen, wie er möchte, dass wir leben. Sein Wunsch ist es, in seinen Willen hineinzuwachsen. Wir sollen im Herzen seine Liebe verstehen, mit der er uns duch seinen Willen leitet. Paulus schreibt:

Ich bin mit Christus gekreuzigt; und nun lebe ich, aber nicht mehr ich [selbst], sondern Christus lebt in mir. Was ich aber jetzt im Fleisch lebe, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat. (Galater 20.2)

Unser altes Leben (vor der Verlobung) ist vergangen. Wir sind überwältigt von der Liebe YHWH´s (Gottes) durch Yeshua (Jesus). Wir geben alles auf, um mit ihm zu leben und seinen Willen, der der Wille seines Vaters ist, zu tun.
Das ist die Eigenschaft seiner Braut Israel.
Wenn wir nicht in der Liebe sind, also die Herzen beschnitten sind, können wir das Wesen und die Liebe seines Willens garnicht erfassen. Dann tun wir das aus Buchstabentreue heraus und nicht aus der Treue zum Vater. Wenn das passiert, sind wir tot.

„Ich habe euch nie gekannt“

Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr! wird in das Reich der Himmel eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters im Himmel tut.  Viele werden an jenem Tag zu mir sagen: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen geweissagt und in deinem Namen Dämonen ausgetrieben und in deinem Namen viele Wundertaten vollbracht?  Und dann werde ich ihnen bezeugen: Ich habe euch nie gekannt; weicht von mir, ihr Gesetzlosen!
Matthäus 7.21-23

Dieser Text hat mir früher sehr viel Probleme bereitet. Wer ist es, zu dem Yeshua sagt, „ich habe euch nie gekannt?

Yeshua sagt es im Rahmen der Bergpredigt. Er spricht hier von den Willen seines Vaters. Und nur diese Menschen werden mit ihm die Ewigkeit erleben.
Nun gibt es wohl Menschen, die in seinem Namen, in Yeshuas Namen, beten, heilen, und Dämonen austreiben. Aber mit diesen Menschen hat er nichts zu tun. Mit ihnen hat er keine Beziehung.

Das Wort „gekannt“, welches Yeshua hier benutzt, hat aus der hebräischen Sprache (er sprach hebräisch) die Bedeutung einer intimen Beziehung. Er sagt also, dass er mit diesen Menschen in keiner innigen, intimen Beziehung steht. Der Grund ist, dass diese Menschen nicht den Willen des Vaters tun. Obwohl sie in seinem Namen beten.

Aber was ist nun der Wille des Vaters?
In der Bergpredigt sagt Yeshua am Anfang, dass die Torah (im deutschen übersetzt mit Gesetz) weiterhin gilt:

Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen sei, um das Gesetz oder die Propheten aufzulösen. Ich bin nicht gekommen, um aufzulösen, sondern um zu erfüllen! Denn wahrlich, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergangen sind, wird nicht ein Buchstabe noch ein einziges Strichlein vom Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist. Wer nun eines von diesen kleinsten Geboten auflöst und die Leute so lehrt, der wird der Kleinste genannt werden im Reich der Himmel; wer sie aber tut und lehrt, der wird groß genannt werden im Reich der Himmel.
Matthäus 5.17-19

In diesem Kontext müssen wir den o.g. Text aus Matthäus 7 verstehen.
Erst sagt er, dass die Torah weiterhin gilt, dann präzisiert er einige Gebote und sagt, dass nur er nur mit dem Menschen eine innige Beziehung hat, die den Willen des Vaters, die Torah, halten.

Warum ist es so?
Zuerst, weil unser Vater der Schöpfer des Lebens ist und er am Besten weiß, wie wir ein erfülltes Leben führen können. Er ist ja der Erfinder des Lebens.

Zum Anderen weil seine Torah „Leben“ ist.

Und als Mose dies alles zu ganz Israel geredet hatte, da sprach er zu ihnen: Nehmt zu Herzen alle Worte, die ich euch heute bezeuge, damit ihr sie euren Kindern gebietet, dass sie darauf achten, alle Worte dieses Gesetzes zu befolgen. Denn es ist kein leeres Wort für euch, sondern es ist euer Leben, und durch dieses Wort werdet ihr eure Tage verlängern in dem Land, in das ihr über den Jordan geht, um es in Besitz zu nehmen!
5. Mose 32.45 – 47

Yeshua sagt, dass wir tun sollen, was ER tat. Dann werden wir mit IHM in einer innigen Beziehung leben und in Vollmacht handeln. Er tat den vollkommenen Willen seines Vaters, denn er lebte ohne Sünde. Er hielt den Shabbat Er feierte die prophetischen Feste des Vaters und auch sonst ehrte er den kompletten Willen des Vaters. Yeshua sagt, dass wir es ihm gleichmachen sollen. Dann leben wir im Willen des Vaters.

Gott ist ein Gott der Bündnisse. Wenn wir uns durch das Blut des Lammes Yeshua in seinem Bund hineinnehmen lassen, haben wir die Möglichkeit in einer innigen Beziehung mit ihm zu Leben. Durch den Heiligen Geist, der uns in alle Wahrheit führt ist es möglich.

Wir als Heidenchristen sind nicht in der Lehre der Torah aufgewachsen. Aus diesem Grunde haben die Apostel auf dem Apostelkonzil in Jerusalem eine weise Entscheidung getroffen:

Darum urteile ich, dass man denjenigen aus den Heiden, die sich zu Gott bekehren, keine Lasten auflegen soll, sondern ihnen nur schreiben soll, sich von der Verunreinigung durch die Götzen, von der Unzucht, vom Erstickten und vom Blut zu enthalten. Denn Mose hat von alten Zeiten her in jeder Stadt solche, die ihn verkündigen, da er in den Synagogen an jedem Sabbat vorgelesen wird.
Apostelgeschichte 15. 19-21

Im Grunde wird hier gesagt, dass wir, wenn wir unser Leben durch Yeshua unter die Regie Gottes stellen, an jedem Shabbat in der Torah gelehrt werden sollen. Nur so können wir im Willen des Vaters wachsen. Möge der Heilige Geist uns in seine Wahrheit leiten.

Die Opfer aus 3. Mose 1-5

Das 3. Buch Mose (Wajikra) beginnt damit, dass יהוה aus der Stiftshütte heraus Mose ruft, um ihn mitzuteilen, wie Jemand der es auf dem Herzen hat, angemessen יהוה ein Opfer darbringt. Die Tatsache, dass יהוה ruft, zeigt, wie wichtig ihm die Beziehung zu seinem Volk ist.

Das 2. Buch Mose (Shemot) endete mit der Einweihung der Stiftshütte. In 15 Kapiteln wurde der Bau, die Materialien, die Farben etc. genau beschrieben. Auch das ist kein Zufall, denn sie stellt das ewige Modell der Anbetung dar. Die Stiftshütte ist das Abbild des Tempels im Himmel:

„Und achte sorgfältig darauf, dass du alles genau nach dem Vorbild machst, das dir auf dem Berg gezeigt worden ist!“ (2. Mose 25.40).

Direkt nach dem Thema der Stiftshütte kommt die Torah nun zu den Opfern. So wie die Stiftshütte ein ewiges Bild der Anbetung darstellt, so stellen die Opfer eine ewige Ordnung in der Beziehung zu יהוה dar. Die Opfer sind nicht abgeschafft, wie es vielfach gelehrt wird. Dass bedeutet nicht, dass wir heute Tiere schlachten müssen (es gibt ja keinen Tempel), aber dass levitische Priestersystem stellt ein Modell für uns dar, die wir einen Hohepriester nach der Ordnung Mechisedeks (Yeshua) haben.

Da wir ein Volk von Priestern sein sollen, müssen wir lernen, was die Opfer in ihrem Kern bedeuten.

„so lasst auch ihr euch nun als lebendige Steine aufbauen, als ein geistliches Haus, als ein heiliges Priestertum, um geistliche Opfer darzubringen, die Gott wohlgefällig sind durch Jesus Christus.“ (1.Petrus 2.5)

Das Wort „Opfer“ ist das hebräische Wort   קרבּן (Korban). Das Wort bedeutet soviel wie  יהוה nähern oder Hingabe. Die fünf Opfer in 3. Mose 1-5 zeigen uns, wie wir uns in dem Modell der Stiftshütte יהוה nähern können und die Beziehung zu ihm rein halten. Das ist ein lebenslanger Prozess, den wir ernst nehmen müssen.

Die Reihenfolge der Opfer ist wichtig:

1. עלה(Olah) Brandopfer:

Es ist ein freiwilliges Opfer. Es ist ein Bekenntnis und beinhaltet die komplette Lebensübergabe. Das eigene Leben wird aufgegeben und auf dem Altar verbrannt.

Die Eingeweide und die Schenkel des Tieres sollen gewaschen werden (3.Mose 1.9). Die Eingeweide symbolisieren hier das Innere des Menschen, die Schenkel den Wandel des Menschen. Alles soll in Zukunft יהוה unterstellt werden.

Yeshua hat sich freiwillig geopfert. Er ist der Erstling und hat sich dem Vater präsentiert. Der Vater hat die Erstlingsgabe angenommen. Wir sollen Yeshua folgen und es ihm gleichtun.

2. מנחה (mincha) Speiseopfer:

Auch das Speiseopfer ist ein freiwilliges Opfer. Es besteht aus Feinmehl. Das Feinmehl -סלת (solet) wird nach dem Mahlen durch ein Sieb vom normalen Weizenmehl –   קמח (kemach) getrennt (vgl. 2.Könige 7.16).
Bevor das Getreide zu Mehl wird, müssen die Körner zerstoßen – gebrochen werden. Anschließend wird es immer wieder gesiebt. Die groben Anteile werden aussortiert.

Das ist es, worum es für uns im Leben geht. Nachdem wir  יהוה  unser Leben unterstellt haben, geht es darum, unser Leben immer wieder durchzusieben. Wir müssen mit alten Gewohnheiten, Einstellungen, Traditionen etc. brechen und uns immer wieder zeigen lassen, wo wir etwas loslassen oder wo wir uns verändern müssen. Es geht nicht nur um Einstellungen im Herzen, sondern insbesondere auch um das praktische Leben.

Die Lebensübergabe beim Brandopfer wird hier praktisch. Jede Kleinigkeit, jeder Aspekt in meinem Leben muss herausgesiebt und geopfert werden.

Es geht darum, יהוה näher zu kommen. Dabei ist es wichtig, die klare Botschaft nicht mit Honig zu versüßen.

Weihrauch ist ein Symbol für die Gebete. Das Salz macht durstig nach dem lebendigem Wasser.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Wege, die ich gehe, mit dem Willen von יהוה übereinstimmen müssen.

3. שׁלם (shelem) Friedensopfer

Dieses Wort, shelem, das fast immer in der Pluralform schelāmîm vorkommt, ist mit dem wohlbekannten hebräischen Wort schālôm verwandt. Der hebräische Begriff umfasst mehr als nur die Abwesenheit von Feindschaft, er beinhaltet auch Wohlergehen, Unversehrtheit und den Frieden mit Gott.

Mit diesem Opfer wird der Frieden mit יהוה gemacht. Es hat sehr viel Ähnlichkeit mit dem Pessachmahl, wo der Opfernde auch von essen kann und muss.

„Der Anteil des Herrn, genannt »Speise des Feueropfers für den Herrn« (V. 11), war das Fett, die Nieren, der Leberlappen und der Fettschwanz. In 3. Mose 7,32-33 erfahren wir, dass der Priester, der das Opfer darbrachte, die rechte Keule erhielt, nachdem sie zuerst als Hebopfer dem Herrn dargebracht wurde. Die anderen Priester erhielten die Brust des Tieres (7,31). Dieses wurde vorher als Schwingopfer dem Herrn dargebracht, den Rest erhielt der Opfernde.“ (Kommentar Mc.Donald)

Yeshua ist unser Friedensopfer. Er selbst sagt:

Darum sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht das Fleisch des Menschensohnes esst und sein Blut trinkt, so habt ihr kein Leben in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat ewiges Leben, und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag.Denn mein Fleisch ist wahrhaftig Speise, und mein Blut ist wahrhaftig Trank. (Johannes 6.53-55)

Yeshua bezieht sich hier auf das Pessachfest, welches nahe war (Johannes 6.4). Aber ich denke, dass das Friedensopfer dem sehr ähnlich ist.

Eine weitere Besonderheit ist, dass das Friedensopfer auf dem Brandopfer geopfert werden sollte.

Und die Söhne Aarons sollen es auf dem Altar in Rauch aufgehen lassen, samt dem Brandopfer, das auf dem Holz über dem Feuer liegt, als ein Feueropfer zum lieblichen Geruch für den HERRN. (3.Mose 3.5)

Hier schließt sich der Kreis. Nachdem ich freiwillig יהוה mein Leben übergeben und somit die Herrschaft über mein eigenes Leben abgegeben habe, habe ich mein Leben von alten Gedanken, Gewohnheiten etc. gereinigt. Der Sauerteig aus meinem Leben ist raus. Nun kann ich mit יהוה in Frieden leben.

4. חטּאה (chaṭṭâ’âh) Sündopfer

Das Sündopfer dient dazu, die Beziehung zu יהוה wieder herzustellen, wenn man unwissend gesündigt hatte.

Rede zu den Kindern Israels und sprich: Wenn sich eine Seele aus Versehen versündigt gegen irgendeines der Gebote des HERRN, dass sie etwas tut, was man nicht tun darf, (3. Mose 4.2)

Sünde bringt immer den Bund mit  יהוה in Gefahr. Von daher kostete es etwas, wenn man gesündigt hatte. Ein Jungstier, welches das beste Tier sein sollte, war die Existenzgrundlage einer Herde.

Deutlich wird hier die besondere Verantwortung des Priesters vor יהוה. Wenn er sündigt gelten die gleichen Vorschriften, wie bei einer Sünde des gesammten Volkes. Ein Prieser ist das spirituelle Vorbild für das Volk, von daher ist es kein Zufall, dass beide hier hintereinander benannt werden.

Das Opfer-Ritual erinnert stark an Yom Kippur. Blut musste an die Vorderseite des Vorhangs im Heiligtum gesprengt werden sowie auf die Hörner des Rauchaltars im Heiligtum tun. Das Fett, die Leber und die Nieren des Tieres sollen auf dem Brandopferaltar geopfert werden. Der Rest des Stieres soll außerhalb des Lagers verbrannt werden.

Beim Ritual für die Gemeinde soll nur das Fett auf dem Brandopferaltar verbrannt werden.

Anschließend wird noch der Fürst des Landes und ein einfaches Glied der Gemeinde Israel benannt. Auffällig ist, dass der Wert des Opfers deutlich herunter geht. Beim Fürst ist es ein Bock, bei jemandem aus dem Volk ist es eine weibliche Ziege. Dass bedeutet nicht, dass deren Sünden weniger schlimm sind. Es ist der Liebe und Barmherzigkeit von  יהוה zu verdanken, dass er jedem die Möglichkeit gibt, nach seinen vorhandenen Ressourcen die Opfer zu opfern.  יהוה sehnt sich danach, die Beziehung mit jedem wieder in Ordnung zu bringen. Er hat kein Interesse an Strafe. Er liebt aber reine Herzen.

5. אשׁם (ascham) Schuldopfer

Hier geht es um Menschen die Sünde gesehen oder erfahren haben und es nicht anzeigen, die etwas Unreines angerührt haben oder einen Schwur nicht gehalten haben.

Bei diesen Beispielen merkt man, wie heilig und rein יהוה ist und das nur in seine Nähe kommen kann, wer selber rein ist. Alle Handlung, die gegen die Torah geht ist Sünde.

יהוה ist so gütig, dass er uns legale Wege aufzeigt, wie wir ihn wieder nahen können.
In diesen Fällen ist es sogar so, dass er in besonderer Weise auf die materiellen Möglichkeiten achtet. Er akzeptiert ein weibliches Tier vom Schaf oder Ziege. Er akzeptiert aber auch Tutteltauben oder zwei zehntel Efa Feinmehl.

Wer materiellen Schaden dem Heiligtum zufügt soll einen makelosen Widder opfern und den Schaden ertatten plus ein Fünftel hinzufügen.

Selbst wenn es unwissentlich geschah ist es Sünde. Auch Übervorteilung, falsche Eide, Untreue etc. müssen entsprechend gesühnt werden. Hier ist das Opfer wieder ein makeloser Widder.

Zusammenfassung

Die Opfer sind alle noch gültig. Wir müssen sie nur entsprechend unserer Beziehung zu Yeshua ha Mashiach, unserem Kohen ha Gadol nach der Ordnung Melchisedeks verstehen. יהוה sehnt sich nach einer Beziehung zu uns. Er will das die verlorenen Schafe des Hauses Israel wieder nach Hause kommen. In den ersten drei Opfer zeigt er uns, wie wir eine Beziehung in Frieden mit ihm leben können. Dabei wird deutlich, dass es uns was kostet, da wir in einem verdorbenen Geschlecht leben. Auch wir müssen uns von liebgewordenen trennen.

Die letzten beiden Opfer zeigen uns, wie wir uns zu verhalten haben, wenn wir sündigen.

Da wir als Gläubige in Yeshua Priester sind, fordert uns יהוה auf, uns täglich morgends und abends IHM zu präsentieren.

Breshit – Das erste Wort der Bibel

Das erste Wort der Bibel ist das hebräische Wort בראשׁיתwelches “Breshit” ausgesprochen wird. Es besteht aus den Buchstaben:

ב – Bet

ר – Resch

א – Alef

שׁ – Schin

י – Jud

ת – Tav

In der hebräischen Sprache hat jeder Buchstabe eine Bedeutung. Weiterhin entspringt in der Regel jedes Wort einem anderen Wort. Dieses Wort ist somit die Wortwurzel. Diese Wortwurzel verweist auf eine tiefere oder weitere Bedeutung des Wortes.

Die hebräische Sprache funktioniert also anders, als die deutsche Sprache.

Kommen wir zum ersten Wort der Bibel “Breshit”. Dieses Wort wird in den deutschen Bibelübersetzungen mit “Im Anfang” oder “Am Anfang” übersetzt.

Allerdings steckt in diesem Wort mehr drin. Schon dieses erste Wort bestätigt das Wort aus dem Propheten Jesaja, wo steht:

Ich verkündige von Anfang an das Ende, und von der Vorzeit her, was noch nicht geschehen ist. Ich sage: Mein Ratschluss soll zustande kommen, und alles, was mir gefällt, werde ich vollbringen. (Jesaja 46.10).

 

Details zum Wort

Das “Bet” ist in der normalen hebräischen Torah-Rolle außergewöhnlich groß geschrieben, was darauf hin deutet, dass dieser Buchstabe hier eine besondere Bedeutung hat.

Der Buchstabe “Bet” hat die Bedeutung “Haus”. Die Stadt “Bethlehem” heißt z.B. übersetzt “Haus des Brotes”

Die ersten beiden Buchstaben zusammen (Bet und Resch) bilden zusammen das Wort “Bar”. “Bar” bedeutet Getreide. Die Wortwurzel dieses Wortes bedeutet so etwas wie: “prüfen, wählen, reinigen”. Man kann also sagen, dass “Bar” so etwas wie “ausgewähltes, auf Reinheit geprüftes Getreide” bedeutet.

Die ersten beiden Buchstaben (Bet und Resch) sowie die letzten beiden Buchstaben (Jud und Tav), also בּרית (Brit), bedeuten “Bund”.

Wenn man den ersten Buchstaben des Wortes Breshit, also “Bet”, vom Rest des Wortes trennt, bleibt das Wort ראשׁית (reshit) übrig. Reshit bedeutet “Beginnen, Anfang oder das Erste”.

Bedeutung des Wortes

Man kann das Wort “Breshit” also auch so lesen:

“Der Elohim Israels möchte ein Haus bauen für den ausgewählten, auf Reinheit geprüften Erstling. Denn er hatte eine Sehnsucht danach, einen Bund mit ihnen zu schließen. Dieser Bund wird am Anfang gemacht”.

Wer ist der Erstling?

Der Erstling ist Yeshua:

Nun aber ist Christus aus den Toten auferweckt; er ist der Erstling der Entschlafenen geworden.” (1.Korinther 15.20)

Und es sind die Gläubigen an Yeshua:

Nach seinem Willen hat er uns gezeugt durch das Wort der Wahrheit, damit wir gleichsam Erstlinge seiner Geschöpfe seien. (Jakobus 1.18)

Yeshua hat gesagt:

Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich!
Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen; wenn nicht, so hätte ich es euch gesagt. Ich gehe hin, um euch eine Stätte zu bereiten.
Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, damit auch ihr seid, wo ich bin. (Johannes 14. 1-3)

 

Wer in der Bibel wird der Anfang (Reshit) genannt?

Israel:

Geh hin und rufe in die Ohren Jerusalems und sprich: So spricht der HERR: Ich denke noch an die Zuneigung deiner Jugendzeit, an deine bräutliche Liebe, als du mir nachgezogen bist in der Wüste, in einem Land ohne Aussaat. Israel war [damals] dem Herrn geheiligt, der Erstling seines Ertrages; alle, die es verzehren wollten, machten sich schuldig; es kam Unheil über sie, spricht der Herr. (Jeremia 2.2-3)

Yeshua:

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.
(Johannes 1.1)

Torah:

Nehmt meine Unterweisung (Torah) an und nicht Silber, und Erkenntnis lieber als feines Gold!
Der Herr besaß mich am Anfang seines Weges, ehe er etwas machte, vor aller Zeit.
Ich war eingesetzt von Ewigkeit her, vor dem Anfang, vor den Ursprüngen der Erde. (Sprüche 8.10+22-23)

 

Zusammenfassung

Das erste Wort der Bibel, Breshit, beinhaltet in einer Kurzversion schon den gesammten Plan unseres Elohims. Schon in diesem ersten Wort zeigt uns der Schöpfer, um was es ihm geht. Er möchte ein Haus bauen für seinen Sohn  und seine Braut (Israel), der er die Torah durch den Ruach auf ihre Herzen schrieb.