Gleichnis von den zehn Jungfrauen

Zu dem Gleichnis von Yeshua zu den zehn Jungfrauen aus Matthäus 25 habe ich schon diverse Auslegungen gehört. Ich möchte hier mein Verständnis dazu wiedergeben, wie ich es aus der Schrift her verstehe.
Yeshua schließt diese Gleichnis an seine Endzeiteden auf dem Ölberg an. Sie gehören noch zu der Antwort auf die Frage der Jünger in Matthäus 24.3:

Als er aber auf dem Ölberg saß, traten die Jünger allein zu ihm und sprachen: Sage uns, wann wird dies geschehen, und was wird das Zeichen deiner Wiederkunft und des Endes der Weltzeit sein?

Man kann also davon ausgehen, dass die Jünger verstanden, was Yeshua in diesen Gleichnissen sagt. Denn sie kannten die Schriften.
Das Gleichnis von den zehn Jungfrauen folgt auf dem Gleichnis vom untreuen Knecht. Es führt praktisch das Thema von Treue und Untreue weiter. Es ist geprägt von der Sorge um seine Jünger, und dem Wissen, dass seine Nachfolger den verführerischen Angriffen des Feindes ausgesetzt sein werden.
Matthäus 25 1-13

Dann wird das Reich der Himmel zehn Jungfrauen gleichen, die ihre Lampen nahmen und dem Bräutigam entgegengingen. Fünf von ihnen aber waren klug und fünf töricht. Die törichten nahmen zwar ihre Lampen, aber sie nahmen kein Öl mit sich. Die klugen aber nahmen Öl in ihren Gefäßen mitsamt ihren Lampen. Als nun der Bräutigam auf sich warten ließ, wurden sie alle schläfrig und schliefen ein. Um Mitternacht aber entstand ein Geschrei: Siehe, der Bräutigam kommt! Geht aus, ihm entgegen!  Da erwachten alle jene Jungfrauen und machten ihre Lampen bereit. Die törichten aber sprachen zu den klugen: Gebt uns von eurem Öl, denn unsere Lampen erlöschen!  Aber die klugen antworteten und sprachen: Nein, es würde nicht reichen für uns und für euch. Geht doch vielmehr hin zu den Händlern und kauft für euch selbst!  Während sie aber hingingen, um zu kaufen, kam der Bräutigam; und die bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit; und die Tür wurde verschlossen. Danach kommen auch die übrigen Jungfrauen und sagen: Herr, Herr, tue uns auf!  Er aber antwortete und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Ich kenne euch nicht!  Darum wacht! Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde, in welcher der Sohn des Menschen kommen wird.

Wie gesagt, kann man davon ausgehen, dass die Jünger Yeshuas dieses Gleichnis verstanden, da sie die Schriften kannten. Es geht in diesem Gleichnis um Jungfrauen, Lampen und Öl. Und es geht darum dass es fünf kluge und fünf törichte Jungfrauen sind. Die Törichten haben zwar Lampen aber kein Öl. Das Wort, welches in der deutschen Übersetzung für „töricht“ steht, beinhaltet auch den Begriff „leichtfertig“ oder „dumm“. Klar ist, dass es Jungfrauen sind, die auf ihren Bräutigam warten. Es sind Menschen, die an dem Messias Yeshua glauben, sonst würden sie nicht auf ihn warten. Yeshua redet dieses Gleichnis zu seinen Nachfolgern als Warnung.
Um dieses Gleichnis zu verstehen, so wie Yeshua es gemeint hat, müssen wir in der Schrift nachschauen, was sie zum Thema Lampen und Öl sagt.
Im 2. Mose 25.1-6 lesen wir folgendes:

Und der HERR redete zu Mose und sprach: 
Sage den Kindern Israels, dass sie mir freiwillige Gaben bringen; und von jedem, den sein Herz dazu treibt, sollt ihr die freiwillige Gabe für mich annehmen! Das sind aber die Gaben, die ihr von ihnen nehmen sollt: Gold, Silber, Erz, blauen und roten Purpur und Karmesin, weißes Leinen und Ziegenhaar, rötliche Widderfelle, Seekuhfelle und Akazienholz, Öl für den Leuchter, Spezerei für das Salböl und für wohlriechendes Räucherwerk,

Das Volk Israel, welches durch das Blut des Lammes aus der Knechtschaft in Ägypten befreit wurde, sollte freiwillige Gaben zur Errichtung der Stiftshütte bringen. Es geht YHWH hier um Freiwilligkeit. Er zwingt Niemanden. Die Stiftshütte ist der Ort der Anbetung nach dem Vorbild im Himmel. Anbetung kann nur freiwillig geschehen. Es ist eine Herzenssache.
Unter Anderem ging es hier auch um Öl für den Leuchter. Im Vers 31 steht, wie der Leuchter angefertigt werden sollte:

Du sollst auch einen Leuchter aus reinem Gold anfertigen; in getriebener Arbeit soll dieser Leuchter gemacht werden; sein Fuß und sein Schaft, seine Kelche, Knäufe und Blüten sollen aus einem Stück mit ihm sein.

Der Leuchter sollte also aus einem Stück aus reinem Gold angefertigt werden. Der Leuchter ist ein wichtiges Element in der Stiftshütte und symbolisiert etwas ganz Bestimmtes. Er hat einen bestimmten Platz in der Stiftshütte, welcher wiederum ebenfalls etwas Wichtiges symbolisiert. Im 2. Mose 40. 22-25 lesen wir:

Und er setzte den Tisch in die Stiftshütte, an die Nordseite der Wohnung, außerhalb des Vorhangs, 
und er schichtete die Brote darauf vor dem HERRN, so wie der HERR es Mose geboten hatte. 
Er stellte auch den Leuchter in die Stiftshütte, dem Tisch gegenüber, an die Südseite der Wohnung,  und setzte Lampen darauf vor dem HERRN, so wie der HERR es Mose geboten hatte.

Der Leuchter mit den Lampen steht also direkt gegenüber dem Schaubrottisch. Die Schaubrote symbolisieren die spirituelle Nahrung seines Volkes durch sein Wort. So wie Israel in der Wüste jeden Tag durch das himmlische Brot gespeist wurde und zum Shabbat die doppelte Menge bekommen hat, so soll sein Volk (die Nachfolger Yeshuas) ebenfalls versorgt werden.
Der Leuchter mit den Lampen symbolisiert die Gemeinde, dass Volk YHWH´s. Er steht dem Schaubrottisch gegenüber.
Im 4. Mose 8.1-2 lesen wir:

Und der HERR redete zu Mose und sprach: 
Rede mit Aaron und sprich zu ihm: Wenn du die Lampen aufsetzt, so sollen alle sieben Lampen ihr Licht nach vorn, vor den Leuchter werfen.

Die Lampen des Leuchters sollen also nach vorne, in Richtung des Schaubrottisches den Raum ausleuchten. Man kann auch sagen, dass sie den Schaubrottisch fokussieren sollen.
Weiterhin sollen sie ständig brennen. Hierfür benötigten sie das Öl:
3.Mose 24.1-2:

Und der HERR redete zu Mose und sprach: Gebiete den Kindern Israels, dass sie reines Öl aus zerstoßenen Oliven zu dir bringen für den Leuchter, um beständig Licht zu unterhalten!

Das Licht durfte also niemals ausgehen. Hierfür wurde das Öl benötigt, welches rein sein musste. Tag und Nacht mussten die Lampen brennen, um beständig die spirituelle Speise YHWH´s, die Torah, zu beleuchten.

Der Leuchter symbolisiert das Volk YYHWH´s. Das Lesen wir auch in Offenbarung 1.10-13 + 20:

Ich war im Geist am Tag des Herrn, und ich hörte hinter mir eine gewaltige Stimme, wie von einer Posaune, die sprach: Ich bin das A (Aleph) und das O (Taf), der Erste und der Letzte!, und: Was du siehst, das schreibe in ein Buch und sende es den Gemeinden, die in Asia sind: nach Ephesus und nach Smyrna und nach Pergamus und nach Thyatira und nach Sardes und nach Philadelphia und nach Laodizea! Und ich wandte mich um und wollte nach der Stimme sehen, die mit mir redete; und als ich mich umwandte, da sah ich sieben goldene Leuchter, und mitten unter den sieben Leuchtern Einen, der einem Sohn des Menschen glich, bekleidet mit einem Gewand, das bis zu den Füßen reichte, und um die Brust gegürtet mit einem goldenen Gürtel. das Geheimnis der sieben Sterne, die du in meiner Rechten gesehen hast, und der sieben goldenen Leuchter. Die sieben Sterne sind Engel der sieben Gemeinden, und die sieben Leuchter, die du gesehen hast, sind die sieben Gemeinden.

Yeshua wandelt inmitten seines Volkes, seiner Braut. Seine Braut ist auf ihren Bräutigam ausgerichtet. Die Lampen sind auf die spirituelle Speise, die Torah ausgerichtet. Es ist alles eins.
Die Leuchter sind aus reinem Gold, das Metall, welches Reinheit und Heiligkeit symbolisiert.

Kommen wir zurück zum Gleichnis aus Matthäus 25.
Es beschreibt Yom Teruah, den Tag der Wiederkunft Yeshuas. Den Tag der siebten Posaune (Shofar). Im Gleichnis geht es um fünf kluge und fünf törichte Jungfrauen, die genau auf diesen Moment, die Wiederkunft ihres Bräutigams, warten. Es sind also Verlobte, und damit ihrem Bräutigam versprochene Bräute. Wann war die Verlobung? Finden wir sie auch in der Schrift?
Ja, wir finden sie in 2. Mose 19.1-8:

Im dritten Monat nach dem Auszug der Kinder Israels aus dem Land Ägypten kamen sie an eben diesem Tag in die Wüste Sinai. Sie waren von Rephidim ausgezogen und in die Wüste Sinai gekommen und lagerten sich in der Wüste; und Israel lagerte sich dort dem Berg gegenüber. 
Mose aber stieg hinauf zu Gott; denn der HERR rief ihm vom Berg aus zu und sprach: So sollst du zum Haus Jakobs sagen und den Kindern Israels verkündigen: 
Ihr habt gesehen, was ich an den Ägyptern getan habe und wie ich euch auf Adlersflügeln getragen und euch zu mir gebracht habe. Wenn ihr nun wirklich meiner Stimme Gehör schenken und gehorchen werdet und meinen Bund bewahrt, so sollt ihr vor allen Völkern mein besonderes Eigentum sein; denn die ganze Erde gehört mir, ihr aber sollt mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein! Das sind die Worte, die du den Kindern Israels sagen sollst. 
Und Mose kam und rief die Ältesten des Volkes zu sich und legte ihnen alle diese Worte vor, die der HERR ihm geboten hatte. Da antwortete das ganze Volk miteinander und sprach: Alles, was der HERR gesagt hat, das wollen wir tun! Und Mose überbrachte dem HERRN die Antwort des Volkes.

Der Bund, den YHWH mit seinem Volk hier schließt, ist der Ehebund, dem die Braut zustimmte. Dass YHWH der vermählte Bräutigam seiner Braut ist, lesen wir beispielsweise auch in Jeremia 3.14:

Kehrt um, ihr abtrünnigen Kinder, spricht der HERR, denn ich bin euer Eheherr! Und ich will euch nehmen, einen aus [jeder] Stadt und zwei aus [jeder] Familie, und euch nach Zion bringen.

Die Verlobten warten also auf die Rückkehr ihres Bräutigams. Die fünf klugen Jungfrauen hatten Lampen und Öl mit. Im übertragenen Sinne bedeutet das, dass sie ihr Leben nach der Torah gelebt haben, also Tag und Nacht ihre Lampen mit Öl gefüllt, und sich somit mit dem spirituellen Brot ernährt hatten. Sie haben das Versprechen aus 2. Mose 19.8:  „Alles, was der HERR gesagt hat, das wollen wir tun!“, erfüllt.
Die fünf törichten Jungfrauen haben zwar die Voraussetzungen gehabt, das Versprechen einzuhalten, denn sie hatten die Lampen (also grundsätzlich die Information), allerdings haben sie das Öl und damit die Torah vergessen. Damit haben sie den Bund, vielleicht ohne dass sie es merkten, vergessen. Sie haben den Bund leichtfertig aufs Spiel gesetzt. Davor warnt Yeshua seine Nachfolger in diesem Gleichnis. Das Sendschreiben an die Gemeinde in Ephesus geht in die gleiche Richtung: In Offenbarung 2.1 + 4-5 heißt es:

Dem Engel der Gemeinde von Ephesus schreibe: Das sagt, der die sieben Sterne in seiner Rechten hält, der inmitten der sieben goldenen Leuchter wandelt:Aber ich habe gegen dich, dass du deine erste Liebe verlassen hast. Bedenke nun, wovon du gefallen bist, und tue Buße und tue die ersten Werke! Sonst komme ich rasch über dich und werde deinen Leuchter von seiner Stelle wegstoßen, wenn du nicht Buße tust! 

„Tue die ersten Werke“ heißt soviel wie: Denke daran, als du mir dein Jawort (am Berg Sinai) gegeben hast. Halte deine Versprechen.

Yeshua ist gekommen, um diesen Bund zu erneuern. Er möchte seine Braut sammeln. Deshalb warnt er immer und immer wieder, in seinem Bund zu bleiben. Die törichten Jungfrauen haben ihn vergessen.
Yeshua ist das Ziel der Torah (Römer 10.4 – das Wort „Ende“ welches in vielen Übersetzungen hier steht, heißt hier eigentlich „Ziel“ – Strongs „G 5056“). Die ganze Torah spricht nur von IHM. Dass es fünf + fünf Jungfrauen sind, ist kein Zufall. Die Zahl 5 deutet auf die 5 Bücher Mose.
So zeigt uns Yeshua in diesem Gleichnis, worauf es bei uns im Leben ankommt.