Vergebung

Vergebung

6. Dezember 2019 0 Von Talmid

Ein Grundthema der Bibel ist das Thema Vergebung. Als ich, angeregt von einem Bruder, mich mit dem Vaterunser beschäftigte, ließ mich das Thema nicht mehr los. Im Matthäusevangelium 6.12 steht:
„und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir unseren Schuldnern vergeben;“ Elberfelder Bibel

Wenn man es ins Hebräische zurück übersetzen würde, steht da eher:

„wie wir unseren Schuldnern vergeben haben“.

Aber, ist das nicht ein Grundproblem für uns? Wie häufig werden wir von anderen Menschen verletzt? Seit wie viel Jahren tragen wir den Groll auf andere Menschen in unseren Herzen? Dabei merken wir nicht, dass wir uns dadurch in einem Gefängnis befinden. Der Groll, die schlechten Gefühle, die Verbitterung nehmen uns gefangen. Zusätzlich fördern sie gesundheitliche Probleme.
Ich selbst habe mit diesem Thema auch immer wieder zu tun, und weiß, dass die Vergebung für manch schwere Ungerechtigkeit, die man erlitten hat, ein Prozess ist. Aber diesen Prozess müssen wir uns stellen.

Der Apostel Petrus fragt Yeshua einmal, wie häufig man vergeben muss:

Da trat Petrus zu ihm und sprach: Herr, wie oft soll ich meinem Bruder vergeben, der gegen mich sündigt? Bis siebenmal? Jesus antwortete ihm: Ich sage dir, nicht bis siebenmal, sondern bis siebzigmalsiebenmal!
Matthäus 18.21-22

Im Vorfeld hat Yeshua über die Schuld aneinander gesprochen. Interessant ist die Antwort von Yeshua auf diese Frage,Wir wissen, dass Yeshua niemals etwas beiläufiges sagt. Er will uns immer damit etwas sagen. In den Auslegungen, die ich in den Gemeinden gehört habe, wurde die Antwort immer dahingehend interpretiert, dass Yeshua sagt, dass wir immer vergeben sollen. Das ist sicherlich richtig. Aber, warum spricht er das dann nicht so aus?
Ich glaube, dass da noch eine tiefere Botschaft für uns dahinter steckt.
Yeshua sagt, dass wir bis siebzigmalsiebenmal vergeben sollen. Er hat die Antwort bewusst so formuliert, und wusste, dass seine Jünger die Antwort verstanden. In der Geschichte des Volkes gab es ein Ereignis, welches mit der Zahl Siebzig eng verknüpft ist. Es ist die Verbannung nach Babylon. Aufgrund der überbordenden Sünden, wurde das Haus Juda für siebzig Jahre nach Babylon verschleppt. Der Prophet Jeremia hat es ihnen angekündigt:

Und ich will unter ihnen aufhören lassen das Jubel- und Freudengeschrei, die Stimme des Bräutigams und die Stimme der Braut, das Klappern der Mühle und das Licht der Lampe;  und dieses ganze Land soll zu Trümmerhaufen, zur Wüste werden, und diese Völker sollen dem König von Babel dienen, 70 Jahre lang.
Jeremia 25.10-11

Fürwahr, so spricht der HERR: Wenn die 70 Jahre für Babel gänzlich erfüllt sind, werde ich mich euer annehmen und mein gutes Wort, euch an diesen Ort zurückzubringen, an euch erfüllen.
Jeremia 29.10

Das Haus Juda hatte schwer gesündigt und nahm die Zurechtweisung nicht an. Deshalb zürnte YHWH und trieb sie aus seinem Land weg. Aber nach siebzig Jahren nahm er sich ihr wieder an und vergab. Dieser Prozess ist mehr als Vergebung, er zeigt prophetisch den Prozess der Wiederherstellung. Juda kommt wieder in sein Land. Dort wird das Volk gesegnet und YHWH ist in seiner Mitte.

Darum geht es Yeshua bei seiner Antwort. Er möchte, dass unser Herz frei wird von Groll, Hass und Schmerz. Und er möchte auch, dass die Person, die uns verletzt hat, Vergebung erfährt und den Unterschied spürt, was es bedeutet, mit Yeshua zu leben.

Das Thema ist Yeshua so wichtig, dass er in der Bergpredigt uns eindringlich warnt, zu vergeben:

Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euer himmlischer Vater euch auch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen ihre Verfehlungen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.
Matthäus 6.14-15

Yeshua möchte, dass wir frei sind. Er hat die Voraussetzungen dafür geschaffen. Er hat uns unsere Verfehlungen vergeben. Vergeben wir auch unseren Mitmenschen.

Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit.
1.Johannes 1.9